Bandeinfasser

Der Bandeinfasser ist mein eigentlich der Hauptgrund gewesen, warum ich mir so lange eine Covermaschine gewünscht habe. Ich habe immer schon am liebsten mit Streifenversäuberung gearbeitet, das sieht einfach noch einen Tick hochwertiger und professioneller aus. Wer das schon häufiger gemacht hat, kann aber meinen ursprünglichen Wunsch sicher verstehen. Es kostet einfach extrem viel Zeit, alles so zu verarbeiten, dass es sauber wird. Da ist doch so ein Bandeinfasser doch deutlich schneller und einfacher…dachte ich zumindest 😉 Aber alles der Reihe nach:

Zuerst einmal muss man sich im Dschungel der Bandeinfasser zurecht finden. Grundsätzlich gibt es für die Elna nur zwei originale Bandeinfasser (zukünftig nenne ich sie OBE) vom Hersteller. Einmal in schmal und einem in breit. In deren Lieferumfang ist jeweils eine Montageplatte und ein etwas kürzer Nähfüß. (Der OBE kann wohl nicht mit normalem Nähfuß genutzt werden, wohl aber mit dem Klarsichtfuß). Die Montageplatten sind aber für alle Arten von Bandeinfassern bei der Elna notwendig. Bei den OBE handelt es sich um „Doppelfaltschrägbinder“ (was für eine Wort…) oft wird er auch „doppelt um genannt“. Das bedeutet, dass der Stoffstreifen zweimal nach Innen gefaltet wird, einmal oben und einmal unten. Also genauso, wie man es von Baumwollschrägband kennt. Dies nennt man auch die „unten geschlossene Einfassung“.  Allerdings bekommt man den OBE nicht als unten offene „Einfassung“.

Ich selber habe mich aber nicht für die OBE entschieden, sondern habe mir drei alternative Versionen bestellt. Zum einen war der Preis für mich einfach attracktiver, zum anderen benötige ich eine größer Auswahl an Breiten und Falttechniken. Und damit wären wir nun wieder bei dem Dschungel….

Es gibt am Markt einige Anbieter, welche optionales Zubehör für alle möglichen Covermaschinen anbieten. Ich persönlich habe mich für Nahttechnik entschieden. Bei Herrn Bauer kann man einfach anrufen und bekommt eine kompetente Antwort auf jede Frage. Außerdem bietet er eine extrem große Vielfalt an Zubehör, zum sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis an.

Ich besitze jetzt also einen Bandeinfasser, welcher doppelt um faltet (wie oben schon erklärt), einen einfach um und einen für Falzgummi, welcher nur in der Mitte faltet. 

Dies ist er „doppelt um“

Hier mal von der Draufsicht. (man erkennt auch die optisch andere Montageplatte von Nahttechnik)

Dies ist der „einfach um“ mit der „unten offenen Einfassung“

Einfach um bedeutet, dass der Bandeinfasser oben geschlossen umschlägt, unten aber offen ist, weil er nicht noch einmal umschlägt. Er legt quasi den Stoff nur um die Kante unten. Für den Leihen ist da sicher ohnehin kein Unterschied zu erkennen, denn man stellt sich den Einfasser so ein, dass die Naht direkt an der Kannte sitzt. (man findet das in der Regel so bei gekaufter Kleidung). Der Vorteil der unten offenen Einfassung ist, dass sie einfach dünner ist, als die doppelt um. Dies ist vor allem dort wichtig, wo es nicht so auftragen soll oder Druckknöpfe befestigt werden sollen.

Naja und der mittig faltende Einfasser für Falzgummi erklärt sich ja im Wortlaut von allein..;-)

Für welche Breite der Einfasser man sich letztlich selber entscheidet ist ganz unterschiedlich. Man muss sich einfach die Frage stellen, was möchte man damit machen? Soll zum Beispiel ein Body eingefasst werden, welcher Druckknöpfe bekommt, dann sollte die Einfassung mindestens eine Endbreite von min.10mm, besser 11mm haben. (einfach mal schauen, wie groß die Knöpfe sind) An mancher Stelle aber möchte man eher eine schmale Einfassung haben. So zum Beispiel am Halsausschnitt eines Damenschirts.

Dieser Body ist doppelt um eingefasst mit Jersey.

Den Anzug habe ich unten offen mit Feinstrickbündchen eingefasst.
(ich muss gestehen, das war aber von der Dicke schon grenzwertig)

An dieser Stelle verweise ich euch gerne an Tanja und Lucie. Sie haben beide alle Arten von Einfassern getestet und verfügen eindeutig über mehr Kompetenz  in diesem Bereich als ich.

Nun möchte ich aber erklären, wie ich mit meinen Einfassern arbeite:

Ich Arbeite hier mit dem „doppelt um“ an einem Babybody. Das Grundprinzip funktioniert aber komplett gleich bei den Einfassern.

  1. Zuerst schneide ich Streifen aus Jersey oder Bündchen, in der für den Einfasser vorgegeben Breite. (Dies steht meist auf der Vorderseite oder man notiert sich das zur Sicherheit) Die Ausgangs-Breiten variieren da sehr. In diesem Fall sind es 38mm. Wichtig ist wirklich, dass man genau zuschneidet! Eher ein bischen schmaler, als zu breit, sonst gleitet es nicht durch die Führung.  Dann wickelt man den Einfassstreifen auf, damit er besser durch den rechen gleitet. Dafür gibt es fertige Vorrichtungen. Aber ganz ehrlich ein Stift oder ein Essstäbchen in einer Overlockkohne klappen prima. Dabei sei zu beachten, dass das Einfassband mit der linken Stoffseite nach vorn in den Einfasser geführt wird. Also sollte es sich auch so abrollen.


  2.  Al nächstes fädelt man den Streifen durch den Rechen und dann in den Trichter nach vorn. Das macht sich klasse mit einer Pinzette. Ich habe aber auch schon mal einen kleinen Schraubendreher genommen. Allerdings sollte man dabei nicht unbedingt jede „Schlaufe“ des Rechens benutzen, da es sonst zu straff einfasst.


  3. Wenn der Streifen an der Spitze des Trichters ankommt, muss man beherzt mit der Pinzette zugreifen und das Einfassband nun unter das Nähfüßchen ziehen. Man erkennt jetzt schon, wie es später gefaltet wird.


  4. Jetzt kann es auch schon los gehen. Erstmal nähe ich zwei drei Stiche auf dem gefalten Band, dann lege ich den Stoff ein, welcher eingefasst werden soll. Dabei liegt die rechte schöne Stoffseite oben. Am besten geht das auch mit der Pinzette, denn so kann man den Stoff schon ein wenig in die Falz legen und spart ein wenig Einfassstreifen.
    Wenn ihr euch die Fotos mal genau anschaut, sieht man auch ganz gut, wie ich den Bandeinfasser montiert und ausgerichtet habe. Ich habe zu jedem Einfasser eine eigene Montageplatte, die immer am Einfasser bleibt. So muss ich wenn ich ihn einmal richtig eingestellt und ausgerichtet habe nicht immer neu verschieben. Die Postition, in der ich dann die Montageplatte inklusive Einfasser anbringen muss, habe ich mir auf meiner Elna markiert. (Als Richtlinie dient mir das obere Häckchen des Einfasstrichters. Dies muss einen kleine wenig rechts von der rechten Nadel liegen)

  5. Der Stoff wird einfach nur leicht am Einfasser geführt. In Innenrundungen, kann man den Einfassstreifen ganz leicht(!) „festhalten“. Ich lege dazu immer nur den Finger ganz sanft hinter eine Schlaufe des Rechens. In Außenrundungen kann man den einzufassenden Stoff etwas dehnen/festhalten. Aber bitte Achtung, dass er nicht aus der Falz des Einfassers rutscht.
  6. Schon haben wir eine perfekte Einfassung und sind am Ende unseres Nähwerks angekommen. Ich nähe nun auch am Ende, wieder ein paar Stiche auf dem Einfassband. Dann drehe ich die Nadeln aus dem Stoff, ziehe leicht die Klappe der Covermaschiene herunter und erhalte so etwas Abstand zwischen Nähfuß und Einfasser. Dort kann ich das Band nun mit der Schere kappen. (sonst müsste man nämlich das komplette restliche Band durch den Einfasstrichter ziehen, was eine ganz schöne Verschwendung wäre)
    Am Ende kann man die Nadelfäden mit einem Handmaß nach vorne ziehen, abschneiden und nun das komplette Nähstück nach hinten aus der Covermaschine ziehen.



Fertig!
Memo an mich, wenn man eine Einfassung später umschlagen möchte und Knöpfe befestigen muss, sollte man den unten offenen Einfasser benutzen…..

Ich zeige euch auch hier wieder meine Einstellung an der Elna Easycover. Wobei das auch diesmal eher ein Richtwert ist. Gerade beim Bandeinfasser, variiert das Differential und der Füßchendruck schon mal. Je nach dicke des Einfassbandes und des einzufassenden Stoffes, ist eine Einstellung zwischen 1,5 und 1,25 möglich. Den Fußdruck habe ich dann entsprechend auf 1,1cm-1,3cm. (Dies misst man, in dem man ein Handmaß in den Schlitz neben der Fußdruck-Schraube steckt)


Schnittmuster Body: Raglanbody mit Knopfleiste aus dem Buch
"Nähen mit Jersey babyleicht" von Pauline Dohmen
Stoff Body: (als Teststoff) im Roller gekauft
Stoff Einfassung: mellierter Unijersey von Toddlintown Fabrics
Garn: vom Expo Stoffmarkt

 

 

 

 

 

5 Comments

  1. Klasse Beitrag und wenn man Deine Anleitung so liest, hört es sich so einfach an- ich kämpfe allerdings noch immer mit meinen OBE… bei normalen Bündchen transportiert er fast gar nicht und bei Jersey geht’s zwar besser aber ich habe Falten drin… ja nu, ich denke , ich muss mir einfach nochmal Zeit dafür nehmen und ganz viel Geduld und testen… sonst wäre es schade ums Geld….
    Lg Larisssa

    1. Liebe Larissa,

      ich habe leider selber noch nie den OBE getestet. Hast du auch eine Elna/Janome? Wenn ja kann dir sicher auch die Facebookgruppe:https://www.facebook.com/groups/1721210678165700/?ref=group_cover weiter helfen.
      Ich habe mal gelesen, dass es sinnvoll sein soll, den Einfasstreifen einige Millimeter schmaler zu schneiden. Bündchenware macht sich wohl für den Anfang auch leichter.
      Schau doch auch mal bei Tanja Stürmer vorbei (link siehe im Beitrag) sie macht tolle Videos.

      Liebe Grüße und viel Erfolg
      Line

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